Ich mag Kunstbücher. Am liebsten kaufe ich sie immer gleich nach der gesehenen Ausstellung, und ich kaufe sie wirklich immer nur, wenn mich die Ausstellung berührt hat bzw. ich mich in den Arbeiten verlieren konnte. Ähnliches ist mir letztens in Südschweden passiert bei der Ausstellung „Weavings, sketches“ des schwedischen Künstlers Andreas Eriksson.

In der Universitätsstadt Lund, gleich neben Malmö und Kopenhagen gelegen, gibt es das „Skissernas Museum“, dass sich auf Prozesse in der bildenden Kunst spezialisiert und 1934 als Teil der dortigen Universität gegründet wurde. In diesem Museum gibt es einerseits eine allgemeine Ausstellung in der sich diverse Skizzen verschiedener schwedischer sowie internationaler Künstlerinnen und Künstler finden. Darunter auch Werksskizzen großer Namen wie Matisse oder Zeichnungen Diego Riveras. Ein riesiges Gipsmodell einer Skulptur Henry Moores findet sich auch unter den vielen Exponaten. Toll sind auch die ausgestellten Skizzen des Künstlers Christo. Hier gefielen mir vor allem die Farben bzw. wie lebendig und realitätsgetreu er seine Installationen in den Skizzen abbildete. Leider hatte ich für den Besuch nur 1h Zeit, weswegen ich die Fülle an Arbeiten nicht so genau ansehen konnte. Mehrere Besuche in diesem Museum lohnen sich auf alle Fälle.

In den oberen Räumen des Skissernas Museums gibt es auch Platz für spezielle Ausstellungen, und bis zum 10.10.2021 gibt es hier noch die Ausstellung „Weavings, sketches“ von Andreas Eriksson zu sehen. Zu dieser Ausstellung kaufte ich mir dann eben auch den Katalog. Ausgestellt ist u.a. eine Auswahl an gewebten Arbeiten des Künstlers aus der Reihe „Weissensee“. Das sind gewebte Teppiche oder Bilder, die sich durch den Einsatz natürlicher Garne auszeichnen. Die dominierende Farbe ist beige, in verschiedenen Abstufungen. Eriksson besitzt einen großen Fundus unterschiedlicher Garne aus verschiedenen Jahrhunderten, die er hierfür verwendete. Bei den einzelnen Bilder wurden verschiedene Felder zu einem großen Ganzen verwoben, ein Team an Weber*innen unterstützte den Künstler dabei.

Da sich das Museum ja vor allem mit künstlerischen Prozessen auseinandersetzt, erhält man viele Informationen zu Erikssons Arbeitsschritten. Fotos aus seinem Berliner Studio werden gezeigt, etliche Arbeitsskizzen sowie das Material, die Garne selbst ausgestellt. Auch der in beigen Farben gehaltene Ausstellungskatalog enthält viele dieser Informationen. Der Buchdeckel ist der Struktur eines gewebten Stoffes nachempfunden und spürt sich dementsprechend auch an.

Beim Betrachten der Bilder merkt man, wie viel Arbeit hier drinnen stecken muss, bzw. was für einen langen Schaffensprozess diese Arbeiten mit sich bringen. Die Teppiche leben von ihren Details und man könnte wirklich viel Zeit damit verbringen diese zu betrachten. Jedes Mal wird man neue Facetten, Schattierungen oder Besonderheiten im Zusammenspiel der verschiedenen Gewebe, Farben und Flächen entdecken.

www.skissernasmuseum.se

Andreas Ericsson, Weavings. Infinite Greyscale 2020

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